Die aktuelle Ausgabe der neuen Kirchenzeitung druckte wegen eines “Versehens einer Redaktionsmitarbeiterin” einen Leserbrief ab, der die Existenz von Konzentrationslagern in Österreich leugnet: “Religionslehrer mögen andere Prioritäten setzen, als Mauthausen-Besuche zu organisieren und der Schuljugend Einrichtungen zu zeigen, die nachweislich erst nach dem zweiten Weltkrieg für touristische Zwecke errichtet wurden.” Autor dieser Zeilen ist Siegfried Lorber, ehemaliger Leiter der Finanzlandesdirektion Kärnten. Ich kenne Lorber nur vom Hörensagen. Peter Allmaier jedoch, er ist der Herausgeber der Kirchenzeitung, ist mir aus Tanzenberg bekannt.
Wir haben nichts gelernt. Nichts aus den Toten. Nichts aus der Geschichte. Ernest PetriÄ, slowenischer Botschafter in Österreich hat mir bei einem Interview einmal Hoffnung gemacht: “Sie gehören zu einer Generation, die Grenzen einreissen wird. Grenzen von denen wir gar nicht wussten, dass es sie gibt.” Menschen wie Siegfried Lorber aber halten an diesen Grenzen fest, verteidigen sie, klammern sich an sie. Aus Selbstzweck? Aus Angst vor der Leere des eigenen Seins, wenn sich die alten Parolen als Lebenslüge herausstellen?
Mauthausen 1996: Niemand sagte ein Wort. Ein stummes Bekenntnis an die Toten: “Nie wieder.”
I believe.